"Recht am eigenen Bild"
Zweierlei
Mass
Polizei und Justiz in der Kritik

Wieder einmal wird der Vorwurf laut, dass in Bochum mit zweierlei Mass gemessen wird. Ein Gerichtsurteil gegen das linke Internetmagazin "Bo-alternativ.de" und eine Art "Freibrief vom Polizeipräsidenten" für die beiden SAT1 Polizisten "Harry und Toto" machten diesen Missstand wieder einmal recht eindrucksvoll deutlich.

Der Hintergrund: Zwei Polizisten klagten erfolgreich gegen den Herausgeber Martin Budich. Die Veröffentlichung eines Bildes, das beide Beamten zeigte, wurde vom Landgericht verboten. Der Richter sah das "Recht am eigenen Bild" verletzt. So weit so gut!

Sauer stösst auf, dass gerade die Bochumer Polizei mit dem "Recht am eigenen Bild" es nicht so eng sieht, wenn Bochumer Bürger betroffen sind. In der TV-Serie "Harry und Toto" sind zwei Streifenbeamte mit kompletten TV-Teams unterwegs. Gefilmt wird alles was vor die Linse kommt. Die Kameramänner stürmen im Schlepptau von "Harry und Toto" sogar Privatwohnungen! Jeder Bürger ist in der Gefahr, wenn er die Notrufnummer der Polizei wählt, dass nicht nur Polizisten sondern auch die Presse auftaucht, die dann das ganze Einzelschicksal vor Millionen von Fernsehzuschauern ausbreitet. In Bochum ist es empfehlenswert sich vor einem Raub, einer Vergewaltigung oder einer nächtlichen Ruhestörung gut zu frisieren und gut zu kleiden und ein wenig Schminke aufzulegen, das gilt natürlich für Täter wie Opfer gleichermassen, sonst kommt man bei den Zuschauern gar nicht gut an!

Machen Sie nie der Polizei im Schlafanzug die Tür auf, das ist immer der totale Brüller. Besonders lustig sind die coolen Sprüche der Polizisten, die sehr amüsant und gekonnt die Opfer wie die Täter vorführen, dass dem Zuschauer vor Lachen die Chiptstüte aus der Hand fällt. Dieses Fernsehformat ist wirklich gelungen und findet immer mehr Fans. Ich selbst liebte "Harry und Toto"! Schnell hatte ich vergessen, dass alle in der Serie vorkommenden Personen real sind und oft nach der Ausstrahlung der Filme zum Gespött der ganzen Stadt wurden.

Es zeugt von Doppelmoral, wenn der Polizeipräsident es zulässt, dass die Opfer von Verbrechen mit runtergelassener Hose in den Medien präsentiert und die Privatsphäre von normalen Bürgern in die Öffentlichkeit gezerrt werden, seinerseits aber für das "Recht am eigenen Bild" und für den "Schutz der Privatsphäre" seiner untergebenen Beamten vor Gericht "den Larry macht"!. Es ist auch völlig unverständlich, dass ein Richter solche Mätzchen mitmacht. Ein Richter mit gesundem Menschverstand hätte den beiden zimperlichen Polizisten und deren arroganten Chef mal gehörig die Köpfe waschen sollen.

Jetzt hat sich ein sehr mutiger Bochumer Bürger gegen den Quoten-Hit gewehrt. Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch ist gestellt. Erwartet wird überall, dass die Ermittlungen, spätestens aber das Gerichtsverfahren, eingestellt werden. Die Pressefreiheit und die Meinungsfreiheit ect. werden dann vom Staatsanwalt oder dem Richter für die Einstellung ins Feld geführt werden. Grundrechte um die Herr Budich sich zu Recht betrogen fühlt. Aber so ist es halt, wenn mit zweierlei Mass gemessen wird. Damit muss Schluss sein, sonst geht das Vertrauen in die Strafverfolgungsbehörden hier in Bochum endgültig den Bach runter!

Carsten S.C., Bochum, 20.10.2003
MB-Chefkommentator